
Ich mag den Samstagströdelmarkt hinter dem Naschmarkt.
Ich mag Wien besonders bei schönem Wetter zwischen 17 und 18 Uhr.
Ich empfehle Riesen Wiener Schnitzel beim Figlmüller, auch wenn es mir nach dem Verzehr überhaupt nicht gut ging.
Ich mag die Bim, aber nur wenn ich nicht mit Koffer unterwegs bin.
Ich liebe Frühstücken im Café Leopold.
Ich mag das Café Hawelka, weil ich Kaffeehäuser generell mag und weil es so wien ist.
Ich bin nie Fiaker gefahren. Aber Riesenrad bei Nacht.
Ich habe meinen Wortschatz erweitert um „Leiberl“, „Weckerl“, „Sackerl“, „Passt schoa!“, und „Das geht sich gut aus.“ …
Ich mag den Stöber-Buchladen an der Haltestelle „Museumsquartier“, weil ich noch nie so viele Bücher auf so wenig Platz gesehen hab und weil ich mehrmals mit mehr als nur einem Buch dort wieder rausgekommen bin.
Ich mag Jazz Jam Sessions am Montagabend im „Tunnel Wien“.
Und ich hab herausgefunden, was ich NICHT werden will, wenn ich mal groß bin: Journalistin.
Ob ich auch das Gegenteil herausgefunden habe, muss ich schauen: In München.
Mela
Februar 5th, 2008
Ich habe mich gestern ein zweites Mal an einem Adventssamstag in die Innere Stadt Wiens gewagt. Warum tut man sich sowas an? Gute Frage. Es ergeben sich auf jeden Fall viele Anlässe sich dort über die Touristen, besser Touristenunmengen, zu wundern…irgendwo zwischen Unglauben und amüsiertem Kopfschütteln.
Ich war drauf und dran zwei ältere Herren zu fotografieren, die wie als hätten sie eine Choreographie einstudiert, mitten auf dem Stephansplatz fast zeitgleich ihre Arme in die Höhe rissen um so zu verweilen und bestimmt nicht nur ein Foto von der dekadenten Wiener Weihnachtsbeleuchtung zu schießen. Ja wirklich, hier schafft es sogar die Weihnachtsbeleuchtung auf den Speicher der Digitalkameras. Gerne auch als Hintergrundmotiv für die Angetraute. Etwas, das einen Wien-Touristen übrigens auf keinen Fall vom “Ist das eine bekannte Sehenswürdigkeit? Hm, egal, ich fotografier ES mal. Ist ja Wien!” - Sightseeing abhalten kann, ist das Wetter. Es kann noch so schneien und arschkalt sein. Glücklich sehen die meisten Touristen dabei jedoch nicht aus, wenn sie mit gefrosteten Fingern den Stephansdom knipsen (Er geht ja doch nicht ganz aufs Bild!). Naja, man ist ja in Wien. Staunen muss man hier auch über solche Touristen, die im Kollektiv auftreten. Vorneweg läuft ein Regenschirm am emporgestreckten Arm einer dicklichen amerikanischen Touristin und dahinter folgt eine ganze Schar wild durcheinander brabbelnder überdurchschnittlich gutgelaunter amerikanischer Ehefrauen mit rosa Mannertüten (Wahlweise auch 40 Japaner, die einer lebensgroßen orangenen Plüschsonnenblume folgen). Kein Scherz. In Dreierreihen, am besten noch einander beschwingt untergehakt, blockieren sie den kompletten Bürgersteig…auf dem Weg zur heiß begehrten Sachertorte. Verrückt.
Die meisten Wiener scheinen clever und verschanzen sich anscheinend vor diesem ganzen Trubel. Es sei denn sie gehören zur Zunft der Wiener Promoter, die die Wienerische Variante von “Hey du hast doch sicher Bock auf ne fette Party heute Abend?!” (”Opera tonight?”) den sich vorbeischiebenden Menschen so motiviert wie geht entgegenrufen.
Naja eins ist sicher: Wien weiß dieses ganze Touristen-Ding auf jeden Fall ordentlich zu nutzen…vom Café Sacher bis hin zum Verkäufer der Obdachlosenzeitung “AUGUSTIN” oder dem traurigschauenden Clown der neuerdings mit einem dicklichen Pony auf der Kärntner Straße (Palmers, Diesel, Swarowski) steht und sich für geschundene Zirkustiere stark macht. Ist ja bald Weihnachten. Und man ist ja in Wien.

Damit einen schönen dritten Advent. Und Grüße aus Wien.
Dezember 16th, 2007
Anders im Vergleich zu was? Anders für wen? Naja auf jeden Fall wirbt die Stadt Wien genau mit dem Slogan “Wien ist anders” für sich und seine vermeintliche Andersartigkeit. Anders, d.h. neu für mich ist sie allemal.
Nicht Vorbeigekommen bin ich zunächst einmal natürlich am Wienerischen. Das reden die hier ja alle. Für eine Deutsche nicht immer auf Anhieb verständlich. Auf jeden Fall kommt das Wienerische zuweilen mit sehr unverblümten Ausdrücken daher, manchmal ist es auch einfach nur putzig.
Sehr lustig wirds, wenn dich ein asiatisch aussehender Verkäufer auf dem Wiener Naschmarkt - Prädikat: voll international, sehenswert, mhmm lecker - in perfektem Wienerisch froagt: “Nehmens oauch a Sackerl dazu?” Ich: “Bitte, was?” Er: A Sackerl?! Ich: Achso, nein, ich brauche keine Tüte. Danke.”
Apropo Sackerl! Die Stadt wirbt momentan mit dem Slogan “Nimm ein Sackerl, für mein Gackerl!” für eine hundehaufenfreie Stadt. Ich sag ja, putzig die Wiener. Na, wenn sowas dann keine Wirkung zeigt!

How to be guat.
Woanders ist mir bis jetzt auch noch nicht ein bestimmt sehr lieb gemeinter Service begegnet, der hier von den Wiener Linien angeboten wird. So erhält der Wiener aus den Lautsprechern der Straßen- und U-Bahn regelmäßig, eigentlich ständig hilfreiche Tipps zum guten Verhalten im Umgang mit anderen Menschen. Beispielsweise:
“Werte Fahrgäste, wir bitten Sie, Ihren Sitzplatz anderen Personen zu überlassen, wenn diese ihn notwendiger brauchen.” (natürlich nicht auf Hochdeutsch)
Nett.
Oktober 14th, 2007
Wer weiß. Der Empfang war auf jeden Fall schon mal nicht schlecht. Nach meinem Jungfernflug (”Oh je, soviel Schaukeln kann doch jetzt aber nicht normal sein, oder!?”), bin ich am Freitag bei strahlendem Sonnenschein aus dem Flugzeug gestiegen. Inzwischen habe ich ein komplettes Wochenende hier verbracht und hatte jede Menge Zeit mir Wien ein wenig aus der Nähe anzuschauen. Mein Gefühl bis jetzt: Eine Wohlfühl-Stadt. Meinen ersten Lieblingsplatz habe ich auch schon entdeckt: Am Brunnen vor der Karlskirche. Am besten am späten Nachmittag. Am besten mit Geigenspieler und am besten dann wenn der Ansturm der knipsenden Touristen etwas nachgelassen hat.

Wenn des so weitergeht, bring I auf jeden Fall etwas aus Wien mit nach Haus: Viele kleine, wie ich finde aber oft sehr charmante, sprachliche Eigenarten. Mehr über Sackerl, Semmeln und das Universalwörtchen “ur” bei Gelegenheit.
Heute hatte ich meinen ersten Unitag, der mich dann doch etwas geschlaucht hat. Veranstaltungen, die ganze 5 Stunden dauern, gibt es wohl auch nur hier. Nicht ganz so lässig wie das Sightseeing-Programm.

mela
Oktober 2nd, 2007